Frauenmantel


Geschichte:


Frauenmantel wurde bereits von den Germanen als heilige Pflanze verehrt. Der Frauenmantel war der Göttin der Liebe und der Fruchtbarkeit (Freyja) geweiht und wurde bei abnehmenden Mond gesammelt, um die Blutflüsse der Frauen zu stillen und Wunden zu heilen. Etwas später wurde die nordische Göttin Freyja durch die Jungfrau Maria abgelöst. Deshalb galt der Frauenmantel besonders heilkräftig wenn man ihn an Marienfeiertagen sammelte. In der Antike galt der Frauenmantel als Wunderkraut und deshalb ranken sich sehr viele Geschichten rund um diese Pflanze.

In der nordischen Sagenwelt galten die in der Sonne leuchtenden Wassertropfen auf den Blättern als Tränen der Göttin Freyja für ihren in den Krieg gezogenen Mann. Die Form der Blätter nahm die christliche Kirche als Symbol für einen Mantel Marias, unter dem sich die Schutzsuchenden versammeln. Daher leiten sich auch die Namen „Marienmantel“ oder „Marienkraut“ ab.

Druiden sammelten die Tropfen des Frauenmantels die sich in der Blattmitte bilden und verwendeten sie zur rituellen Reinigung bei kultischen Handlungen. Wegen dieser Tropfen wurde der Frauenmantel auch “Sinau“ genannt, das leitet sich aus dem mittelhochdeutschen “sintowe“ ab und bedeutet “Immertau“. Die ersten schriftlichen Überlieferungen stammen von Hildegard von Bingen die die Pflanze gegen Kehlgeschwüre empfahl. Seine Heilkraft bei äußeren und inneren Wunden rühmte Paracelsus. Der lateinische Name Alchemilla entstand aus der experimentellen Welt der Alchimie.

Die Mittelalterlichen Alchimisten glaubten damals, man könne mit den Tropfen, die morgens in der Blattmitte erscheinen, mystische Essenzen herstellen, Metall in Gold verwandeln oder gar den Stein der Weisen herstellen. Bei den Tropfen handelt es sich aber nicht um Tau, sondern um einen aktiv von den Blättern „ausgeschwitzten“ Wassertropfen, einen sogenannten Guttationstropfen. Im Alpenraum wird das Kraut auch heute noch verzehrt, weil die darin enthaltenen Phytosterine die Potenz erhalten.

Pflanze:


Frauenmantel gehört zur Familie der Rosengewächse und ist eine bis zu 50cm hohe immergrüne Staude. Ihr Wurzelsystem ist kräftig verzweigt. Mit grünen Laubblättern die eine niedere Blattrosette bilden überwintert die Pflanze. Die runden nierenförmigen Blätter des Frauenmantels sind 5-11 fach gelappt, jedes Blatt ist mindestens 5cm groß, lang gestielt und besitzt einen gesägten Blattrand. Durch seine Wasserspalten (Hydathoden) am Blattrand, kann die Pflanze aktiv Wasser pressen, diese sitzen entlang des Blattrandes und rinnen zu einem großen Tropfen in der Mitte des Blattes zusammen.

Die sehr kleinen aber zahlreichen Blüten sind in vielblütigen Rispen angeordnet. Die einzelne Blüte besteht aus 4 kleinen grün-gelben spitzen Blüten- und Kelchblättern. Die Blütezeit ist zwischen Mai bis August angesiedelt. Trotz der vielen Blüten, produziert der Frauenmantel kaum befruchtete Samen. Er vermehrt sich jedoch auch ohne Befruchtung z.B.: die niederliegenden Triebe können sich bewurzeln.

Vorkommen:


Vor allem im mitteleuropäischen Raum ist der Frauenmantel anzutreffen. Es gibt aber einige Arten in Nordamerika und Afrika, dort wächst er hauptsächlich in kühleren Regionen (Bergen). Als Endemiten gibt es einige Arten in Südtirol, diese konnten sich während der letzten Eiszeit auf den nicht vergletscherten Gipfel halten.

In der Natur wächst der Frauenmantel auf gut mit Nährstoffen versorgten, frischen Wiesen im Halbschatten. Er ist recht konkurrenzstark, erträgt starke Beweidung und die Tritte der Kühe.

Verwendung/Wirkung/Anwendung:


Es werden die frischen oder getrockneten oberirdische Pflanzenteile (hauptsächlich Blätter und Blüten) verwendet.

Wirkung:


Frauenmantel wirkt sehr stark adstringierend (zusammenziehend). Er wird sowohl innerlich als auch äußerlich angewandt. Bei der innerlichen Anwendung wird ein Absud aus blühenden Kraut gewonnen und dieser dann eingenommen. Er hilft bei schwachem Durchfall sowie bei Halsschmerzen. Frauenmantel wird außerdem bei traditionellen Frauenleiden, wie bei schmerzhaften Monatsblutungen und Weißfluss eingesetzt.

Äußerlich wird das Kraut in Form von Sitzbädern oder auch als Absud zum Reinigen von Wunden verwendet. Erwärmte Blätter können auch gehackt und als Umschläge warm auf die Beine gelegt werden.

Anwendung in der Küche:


Frische junge Blätter können Salate verfeinern oder kurz gedünstet als Gemüse zubereitet werden.

Volksheilkunde:


In der Volksheilkunde wird der Frauenmantel schon seit je her den Frauen zugeordnet.

So wurde er in Sitzbädern aber auch als Aufguss, zur Vorbereitung von Geburten verwendet. Genau wirkte der Frauenmantel auch bei Entzündungen im Mund oder zum Heilen von Wunden nach frisch gezogenen Zähnen.